Karol Pawlak Vorsitzender von Fleuroselect

Im letzten Monat hat die Organisation Fleuroselect mitgeteilt, dass Karol Pawlak zum 01. Januar 2019 zum Geschäftsführer der internationalen Organisation Fleuroselect ernannt wurde. 

Fleuroselect ist die wichtigste internationale Organisation, die alle bedeutenden Züchter und Produzenten der Zierpflanzenbranche  vereinigt. 

Herr Karol Pawlak hat die Geschäftsführung für 3 Jahre übernommen.

Wir empfehlen, das für FloraCulture International Magazin erteilte Interview zu lesen.


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Interview FloraCulture International mit Karol Pawlak vom 17.10.2018


FloraCulture International: Herr Pawlak, ist die Position, die Sie gerade übernommen haben, in natürlicher Weise mit Ihrem Lebensstil verbunden?

Karol Pawlak: Ich bin bereits seit 6 Jahren Mitglied des Vorstands von Fleuroselect, als Senior Mitglied war dies für mich ein logischer Schritt. In der Vergangenheit war ich für 7 Jahre Mitglied des Vorstandes des polnischen Gärtnereiverbandes (PZO) und  habe ebenfalls den Verband AIHP repräsentiert. Ich war auch Geschäftsführer des von mir gegründeten Polnischen Vereins für Landwirtschaft, einer Organisation, die unmittelbar mit dem Landwirtschaftsministerium verbunden war. 



FloraCulture International: Heutzutage können wir beobachten, dass sich die Zierpflanzenbranche weltweit konsolidiert. Wie schwer ist es, solch einer selbstständigen Organisation wie Fleuroselect, sich zu entwickeln? 

Karol Pawlak: Wir müssen uns die neuen Möglichkeiten anschauen. Nehmen wir z.B. Firmen, die Topfpflanzen und Schnittblumen produzieren. Das ist ein Bereich, in dem wir uns fortentwickeln können. Unser Wettbewerb „FleuroStar“, der seit 8-10 Jahren organisiert wird, hat sich zur Hauptveranstaltung in der Branche entwickelt, und genießt hohe Zuschauerzahlen. Bei der Unterstützung unserer Branche, basieren wir auf  Wissen und Professionalität. Später, als sich die Verhältnisse geändert haben, so z.B. Erhöhung der Steuern für den Import von Mutterpflanzen, habe ich mit Gewebekultur angefangen. Das ist weiterhin ein großer und wichtiger Bestandteil unserer Tätigkeit.


FloraCulture International: Welche Änderungen erwarten Sie als neuer Fleuroselect Geschäftsführer in den nächsten 3 Jahren?  

Karol Pawlak: Wir haben eine Umfrage unter unseren Mitgliedern durchgeführt und meines Erachtens werde ich mich in der nächsten Zeit bemühen, den angegebenen Anforderungen gerecht zu werden. Im Jahr 2020 werden wir auch das 50. Jubiläum der Entstehung von FleuroSelect feiern, was zum Kulminationspunkt wird.


FloraCulture International: Das Motto von FleuroSelect lautet: „Durch Mitglieder für Mitglieder“. Wie hilft FleuroSelect den 75 Mitgliedern sich zu entwickeln? 

Karol Pawlak: Unsere Organisation fördert die Knüpfung von Geschäftsbeziehungen  zwischen unterschiedlichen Firmen, die Vermarktung ihrer Produkte, spielt aber auch eine Rolle in der allgemeinen Vermarktung von Pflanzen. All dies trägt zum Wachstum bei


FloraCulture International: Was ist die größte Herausforderung vor der FleuroSelect steht und wie möchten Sie die Mitglieder der Organisation inspirieren, um die Herausforderung zu meistern? 

Karol Pawlak: Die größte Herausforderung ist die Entwicklung eines Netzes und eben darum bitten uns unsere Mitglieder. In unserer letzten Umfrage war dies der Hauptbereich von Fleuroselect. Wir möchten die beste Atmosphäre und beste Möglichkeiten schaffen. 


FloraCulture International:  Wie hat sich die Organisation FleuroSelect in letzter Zeit verändert und entwickelt?

Karol Pawlak: In den letzten Jahren haben wir unsere Vermarktung verstärkt. Wir nutzen alle verfügbaren Medien, darunter auch Social Media, um den größtmöglichen Kreis unserer Empfänger ansprechen zu können.


FloraCulture International: Ihre Freunde bezeichnen Sie als pragmatischen, geradlinigen Menschen. Was macht den Unterschied  aus zwischen Politik im alltäglichen Gärtnereibusiness und Entscheidungen auf Ebene einer Branchengenossenschaft ? 

Karol Pawlak: Die wichtigsten Angelegenheiten in der Gärtnereibranche sind letztendlich auch gut fürs Geschäft. In unserem Vorstand hatten wir immer Leader, die bedeutende Manager oder Inhaber von Gärtnereien waren. 


FloraCulture International: Ist die Bedeutung von FleuroSelect ausreichend stark? Mit anderen Worten, wie stark ist Fleuroselect auf der internationalen Ebene? 

Karol Pawlak: Unsere Position ist stark, aber weiterhin nicht stark genug.  Wir werden  oft als europäische Organisation betrachtet. Eines unserer Ziele ist es uns mehr international zu entwickeln. 


FloraCulture International: Begeben wir uns in Richtung Gärtnereigeschäft und Politik. Sind Sie der Ansicht, dass Hilfestellung seitens der Regierung erforderlich ist um Entwicklung im Zierpflanzensektor zu erzielen?

Karol Pawlak: Manche Mitglieder unseres Vorstands meinen, dass wir offener sein und näheren Kontakt mit der Regierung pflegen sollten, wir sind aber keine Organisation, die Druck ausübt. Aus meiner Erfahrung während der Geschäftsführung im kommunistischen Polen geht hervor, dass wir glücklich waren, dass wir keine Gärtnereiabteilung im Landwirtschaftsministerium hatten. Heutzutage hat sich die Welt geändert aber es gibt andere Organisationen, die stärkeren Einfluss haben. Das ist nicht eines unserer Hauptziele.


FloraCulture International: Wie wichtig ist es, gute Beziehungen mit anderen Genossenschaften in der Gärtnereibranche zu pflegen?

Karol Pawlak: Wir sind Mitglied der International Seed Federation (ISF). Im vergangenen Jahr haben wir an  der World Floral Summit teilgenommen. Wir pflegen freundschaftliche Beziehungen mit AIPH, CIOPORA und Plantum, die systematisch Ihre Erfahrung in von uns organisierte Seminare und Konferenzen einbringen. Wir besuchen uns gegenseitig während unserer Treffen und tauschen Informationen aus. 

FloraCulture International: CIOPORA ist eine Organisation die brachenmäßig der Organisation FleuroSelect wahrscheinlich am ähnlichsten ist. Sowohl Ciopora als auch FleuroSelect arbeiten auf dem Gebiet Züchterrechteschutz, Forschung, Vermarktung und Fortbildung. Gibt es einen Störfaktor, der Sie daran hindert, Ihre Kräfte zu vereinen? 

Karol Pawlak: CIOPORA ist vor allem auf Züchtung in Anlehnung an vegetative Vermehrung konzentriert. FleuroSelect umfasst sowohl Züchtung in Anlehnung an vegetative als auch generative Vermehrung. Unsere Organisationen passen also nur teilweise zusammen, aber wir lösen gerne  gemeinsame Probleme und pflegen hervorragende Kontakte mit CIOPORA.


FloraCulture International: Was bedeuten schnelle Änderungen in modernen Organisationen wie FleuroSelect? 

Karol Pawlak: Geschäfte werden immer zwischen Menschen getätigt und auch FleuroSelect ist eine Organisation, die aus Menschen besteht. Wir sind stolz darauf, dass hervorragende  Beziehungen zwischen unseren Mitgliedern bestehen. Mit dem stets ansteigenden Tempo der Änderungen, sind es eben diese persönlichen Kontakte, die für unsere Mitglieder von Vorteil sind. 


FloraCulture International: Sie sind für Ihren Unternehmergeist bekannt. Im Jahre 1977 waren Sie mutig genug, um den Betrieb Ihres Vaters zu übernehmen. Sie haben viel Geld investiert und internationale Kontakte in der Zierpflanzenbrache intensiv ausgebaut. Was war das größte Risiko, das sie eingegangen sind, um dorthin zu kommen, wo Sie aktuell sind? 

Karol Pawlak: Eigentlich habe ich ein ganz neues Unternehmen gestartet. Mein Vater hat mir nur 2 Hektare Land gegeben. Ich bin nicht der Ansicht, dass ich großes Risiko eingehen musste. Ich habe mein eigenes Unternehmen Schritt für Schritt entwickelt indem ich neue Trends auf dem Pflanzenmarkt aufmerksam verfolgt und jedes Jahr neue Investitionen getätigt habe.


FloraCulture International: Darf man sagen, dass Gerbera als Schnittblume und die Gewebekulturzucht ein solides Fundament für Vitroflora geschaffen haben?

Karol Pawlak: Natürlich hat die Gärtnertätigkeit während des kommunistischen Regimes ganz anders ausgesehen als es heutzutage der Fall ist. Das Verhältnis zwischen Kosten und Einnahmen war viel besser. Landwirte oder Gärtner wurden toleriert. Meine Magisterarbeit habe ich zum Thema Gerbera geschrieben und in den ersten Jahren meiner Tätigkeit habe ich Gerbera Jungpflanzen produziert.


FloraCulture International: Sie haben im Jahre 1977 angefangen. Wie stellen Sie sich heute, nach 41 Jahre Tätigkeit und vielen Anteilübernahmen, sowohl im Inland (kleiner Anteil an dem Hauptunternehmen PlantPol) als auch im Ausland (Bulgarien, Ukraine, Thailand und Portugal), die Zukunft der Firma Vitroflora vor?

Karol Pawlak: Wir sind sehr optimistisch eingestellt. Wir haben ein hervorragendes Portfolio und unser Verkauf steigt von Jahr zu Jahr. 


FloraCulture International: Woran findet Karol Pawlak Vergnügen im Leben, neben der harten Arbeit? Wie wichtig ist für Sie das Familienleben? 

Karol Pawlak: Meine ganze Familie (die vierte und fünfte Generation) arbeitet mit mir zusammen in der Firma und sogar die sechste Generation zeigt bereits Interesse am Betrieb. Für uns gehen Familie und Betrieb Hand in Hand.  Ich habe natürlich auch eigene Hobbies… Ich besitze eine große Bibliothek, mag Windsurfing und Skifahren. 


FloraCulture International: Wie würden Sie Ihre Lebensphilosophie in einem Satz zusammenfassen?

Karol Pawlak: „Wo Gott an ersten Stelle steht, steht der Rest an richtiger Stelle“ 



Interview mit Herrn Karol Pawlak in der Zeitschrift FloraCulture